Heute möchte ich über etwas schreiben, was ich persönlich sehr wichtig finde. Und zwar, wie man Figuren für den Roman verwenden sollte. Ich versuche, mich dabei an eine einfache Regel zu halten. Keine Figuren verwenden, deren einziges Ziel es ist, die Handlung voranzutreiben!

Der einfache Weg

Jetzt wird der ein oder andere denken, dass nicht jede Figur in einem Roman die Handlung vorantreibt. Und das ist richtig. Aber ich möchte darauf hinaus, dass keine Figuren kurzfristig dem Leser präsentiert werden sollen, deren einzige Aufgabe es ist, dem Protagonisten oder der Protagonistin jetzt und in diesem Augenblick bei einem Problem zu helfen.

Und damit meine ich keinen Mentor oder Lehrmeister, der der Hauptfigur Wissen vermittelt. Sondern Figuren, die explizit sagen, wo oder wie sie ein Problem lösen oder einen Gegenstand finden, der unbedingt gebraucht wird. Sobald das passiert ist, hat diese Figur ihre Aufgabe erfüllt und wird nie wieder erwähnt.

Ein gutes Beispiel für eine solche Funktionsfigur ist der Leigh Teabing aus dem Buch „Sakrileg“ von Dan Brown. Mit seinem ersten Auftritt im Buch erzählt er Langdon alles, was er wissen muss. Ohne ihn würde die Handlung stagnieren. Teabings Rolle verändert sich zwar im Laufe der Handlung. Aber sein erster Auftritt dient rein der Exposition. 

Der schwerere Weg

Um das zu vermeiden, ist ein guter Überblick über Handlung und Figurenkonstellation sehr wichtig. Das ist zwar schwieriger, aber am Ende lohnt es sich, dass man eine Lösung gefunden hat mit den Figuren und Informationen, die man bereits hat.

So konnte ich beispielsweise beim Planen des zweiten Wendepunktes für „Reign of Night“ nach längerem Überlegen eine Lösung finden, wie ich das Finale einleiten kann, ohne eine neue Figur präsentieren zu müssen.

Damit ihr nicht selbst in die Lage geratet, eine Funktionsfigur zu etablieren, solltet ihr folgende Punkte berücksichtigen:

  1. Lass verschiedene Figuren aufeinandertreffen. Damit es sich plausibel und organisch für den Leser anfühlt. Beispielsweise bei einem Kaffee in einem Café oder bei einem Abendessen in der Taverne. Wenn die Figuren sich bereits vorher getroffen haben, wirkt es später glaubwürdiger, dass eine von ihnen Informationen weitergibt oder helfen kann.
  2. Die Hilfe sollte nicht immer kostenlos sein. Wenn die Figuren befreundet sind oder derselben Gruppe angehören, kann man vielleicht über einen Preis hinwegsehen. Aber die helfende Person sollte einen Preis verlangen. Zum einen hinterlässt sie dabei einen bleibenden Eindruck. Aber es entsteht dadurch ein neuer Konflikt oder ein Nebenhandlungsstrang.
  3. Lass die Hauptfigur selbst arbeiten. Du kannst sie recherchieren lassen, durch ein Missgeschick herausfinden lassen oder die Hauptfigur findet die Information, die sie benötigt, durch Kombinieren anderer Informationen selbst heraus.